Dienstag, 25. Juli 2017

Wanderung zum Bärenberg und zu den Algersdorfer Trachyt-Steinbrüchen (Nordböhmen)

Ein Gastbeitrag von Björn Ehrlich, Zittau-Hörnitz

Unlängst stieß ich auf einen Beitrag über das Děčínské Machu Picchu. Eine Indianerfestung in Böhmen? Wenn das kein Grund für eine Exkursion ist, was dann? 

Zunächst war es nicht ganz einfach, diese Lokalität zu orten, letztendlich lief es auf den Bärenberg (Staré sídliště) bei Blankersdorf (Blankartice) hinaus. Die Internetpräsenz zu diesem Ort lässt schlussfolgern, dass man sich heute nicht restlos klar über die geschichtlichen Hintergründe des Areals ist, aber Staré sídliště deutet auf eine alte Siedlung hin.

Als Ausgangspunkt für die Wanderung diente uns Wernstadt (Vernerice), so dass sich die Tour mit weiteren interessanten Zielen verbinden lässt., z.B. den Gottesberg bei Wernstadt (Boží vrch) und den Trachyt-Steinbrüchen bei Algersdorf (Valkeřice).

Bedauerlicherweise stand die Tour unter keinem guten Stern, denn der Wetterbericht meines Vertrauens hatte mich arglistig getäuscht und die Sonne begann zu scheinen, als wir Wernstadt wieder erreichten, der Rest war Regen und Nebel, verbunden mit nassem Schuhwerk, so dass wir heute nur eine informative Runde drehen konnten, die uns aber zumindest einen guten Eindruck von der Gegend vermittelte und den dringenden Wunsch gebar, bei schönem Wetter wiederzukehren.

Dem Gottesberg nähern wir uns zu seinem Fuße, aber den Aufstieg durch nasses hohes Gras ersparen wir uns heute. Eigentlich wollten wir nachsehen, ob die Ruinen der 1975 abgerissenen Wallfahrtskirche noch zu finden sind. 

Westlich von Wernstadt ragt aus der fruchtbaren Höhenmulde, die der Bieberbach durchfließt, der kegelige, 554 m hohe Gottesberg empor. Vom Gipfel dieses basaltischen Berges leuchtet über die Baumkronen eine freundliche Kapelle mit ihrem roten Dache hernieder, der Osthang des Berges ist von zwei zu Wernstadt gehörigen Häusern, das eine mit Gastwirtschaft, besäumt. Diese Kapelle besteht aus einem mit einer Kuppel gekrönten Rundbau und einem eingedeckten, geschlossenen Kreuzgange, der an Sehenswürdigkeiten einen alten Predigtstuhl und eine vom ehemaligen Wernstädter Bürgermeister Johann Renstel gewidmete Lourdesgrotte aus Birkenrinde enthält. Vor der Kapelle befindet sich ein kunstvoll aus Marmor gearbeiteter ,,Betender Jesus.“ (Mittheilungen des Nordböhmischen Excursionsclubs, 1914, Nr. 2)

Nebenbei berichtet Paudler auch von Zwergen, die hier einst hausten.

„Auch auf dem Wernstädter Gottesberge haben einst die Zwerge gewohnt. Insbesondere lebten dort einmal sieben Zwerge, welche von einer Bauerstochter bedient wurden. Nach einigen Jahren wollte das Mädchen wieder heim, und die Zwerge versprachen ihr für ihre treuen Dienste eine Belohnung. Sie legten ihr aber nur eine handvoll Laub in ihre Schürze. Mißmuthig gieng das Mädchen von dannen und schüttete bald darauf das Laub weg. Als sie aber heim kam und sich auskleiden wollte, fiel ein Ducaten aus ihrer Schürze. Anfangs wusste sie nicht, woher er käme, bald aber besann sie sich des Laubes, das sie von den Zwergen bekommen hatte, und bereute nun sehr, dass sie es weggeworfen hatte.“ (A. Paudler, 'Ein deutsches Buch aus Böhmen, Teil 2)

Wir nähern uns dem Bärenberg, der kaum als solcher, eingebettet in die weitläufige Wiesenlandschaft, zu erkennen ist und in keiner der mir bekannten Heimatkundeliteratur Beachtung findet. Ein Stück dem Kamm nördlich folgend, findet aber der Krohnhübel (Na koruně) bei Dr. Hantschel freundliche Erwähnung. 

„Wir biegen aber schon früher von der Straße r. [in Blankersdorf] auf einen Weg ab, der in 1¹/2 Std. auf den 624 m. h. Kronhübel führt, den höchsten Punkt des ziemlich kahlen Basaltrückens in der Haupterhebungslinie des Mittelgebirges. Der Punkt liegt fast allen Richtllngen offen u. bietet deshalb eine überraschende Rundsicht.“ Eine schöne Empfehlung für eine künftige Tour bei besserem Wetter. 

Der gedehnte Gipfel des Bärenberges ist von Hecken überzogen und offenbar kaum begangen, ein interessanter Biotop für Vögel und Insekten. Auf der Karte sind einige Stellen als Aussichtspunkte markiert, die wir aufgrund der Witterung nicht weiter in Augenschein nehmen. Allerdings reicht die Sicht, um sich eine Vorstellung von der schönen Landschaft umher mit ihren Kuppen und Tälern zu machen, in denen die Dörfer Blankersdorf, Algersdorf oder Mertendorf (Merboltice) liegen. 

Von Blankersdorf nehmen wir einen Wiesenpfad hinauf zur gegenüberliegenden Anhöhe. Dort oben befindet sich der erste einer Reihe von Trachyt-Steinbrüchen, die sich talwärts gen Algersdorf aneinanderreihen. 

„Aus dem obersten Ortstheile führt ein Fahrweg sw. zu den 1844 erschlossenen Trachyt-Steinbrüchen. Dieses seltenere Gestein gilt als das anerkannt am meisten verspätete Feuerproduct des Mittelgebirges u. tritt hier in Gestalt eines von Basaltwacke umgebenen u. von gangförmigem Basalt durchsetzten Walles aus, der zu den verschiedensten, auch architektonischen Zwecken ausgebeutet wird. - Bei dem oberen der drei Brüche hat man einen hübschen Blick über Algersdorf auf die hochgelegene Kirche von Kleinbocken, auf den Kamnitzer Schloßberg dah. u die Kuppen des Kreibitzer Gebirges mit dem Kaltenberge; nach der entgegengesetzten Richtung sieht man über vorliegenden Höhen den Kamm des Geltschberges u. ganz nahe die Häuser von Schneppendorf (40 H.), welcher Ort seinen Namen von den einst unter dem Grafen Sporck hier abgehaltenen Schnepfenjagden erhalten haben soll.“ (Dr. Hantschel)

Graf v. Sporck war einer der reichsten Adligen in Böhmen, aber ausgestattet mit einigen Marotten und einer großen Jagdleidenschaft. „Der genannte Graf war bekanntlich ein großer Freund der Jagd und des Vogelstellens, weshalb er denn auch in Algersdorf ein Schlösschen erbauen und mehrere Herde zum Vogelfangen herrichten ließ, deren Namen sich bis zum heutigen Tage erhalten haben.“ (Mittheilungen des NEC, 1884, Bd. 1) Dies stützt durchaus die Theorie, dass man auf dem Bärenberg der Vogelfallenstellerei nachging.

Kurz vor Ende der Tour, als wir nun endlich von den Höhen wieder Wernstadt erblicken, zeigt sich recht schön die Sonne, zu spät für uns am heutigen Tage.

Die Heimfahrt verlegen wir über Konoged, um uns ein Bild vom Stand der Bauarbeiten am dortigen Schloss zu machen. Es sieht recht fortgeschritten aus. Eigentümer war übrigens Graf von Sporck.

Die die GPS-Daten zu dieser Tour findet man hier.




Lustlose Umrundung des Bärenberges


Trachyt-Steinbrüche bei Algersdorf




Endlich ist der Regen vorbei und schon zeigt sich der Geltsch



Die Kirche von Wernstadt





Der Schnappschuss am Markt von Wernstadt verspricht mehr, als man erwarten kann


Schloss und Kirche Konoged


Montag, 24. Juli 2017

Ein paar Juli-Highlights aus der Oberlausitz und Nordböhmen


Acker-Gauchheil


Ameisen-Sackkäfer


Geißkleebläuling


Brauner Perlmutterfalter


Eichen-Zipfelfalter


Feuriger Perlmutterfalter


Acker-Gauchheil


Strauchdieb mit Beute


Strauchdieb mit Beute


Johanniswürmchen


Großer Perlmutterfalter


Großer Perlmutterfalter


Brauner Halsgrubenbock


Kaisermantel, Weibchen


Kaisermantel, Weibchen (f. valesina)


Kamelhalsfliege


Gartenkreuzspinne


Großes Ochsenauge, Männchen


Rosenkäfer


Rosenkäfer


Der Fotograf...


Wasserknöterich


Zahnflügelbläuling


Zaunwinde


Zwergbläuling

Samstag, 22. Juli 2017

Ein paar Libellen (meist Lauschehochmoor, Lausitzer Gebirge)


Gemeine Binsenjungfer


Gemeine Binsenjungfer


Blaue Federlibelle (w)


Blaugrüne Mosaikjungfer


Blaugrüne Mosaikjungfer


Grüne Flußjungfer (Hammer am See, Nordböhmen)


Grüne Flußjungfer (Hammer am See, Nordböhmen)


Mittwoch, 19. Juli 2017

"Dreiherrensäule" unterhalb des Tollensteins an der "Alten Prager Straße"…

Ein Gastbeitrag von Werner Schorisch, Zittau

Beim "Jakobi", die Jakobussäule an der "Alten Prager Straße".
Diesem Bildbericht über einen Ausflug in Nordböhmen sind zunächst zwei Landkartenausschnitte (Karte 01 und 02) vorangestellt, die einige lohnende Ausflugsziele zeigen, wie z.B. den Tannenberg (Jedlová), den Tollenstein (Tolštejn) und den Kreuzberg (Křížová hora) bei St. Georgenthal.

Unser heutiger Weg wird uns zu keinem der vorgenannten Ziele führen, sondern zum "Jakobi" (Sloup sv. Jakuba), zur "Dreiherrensäule" (Třípanský sloup) und dem "Hirschenstein" (Konopáč):


Wanderkarte, Ausgabe Ausgabe 1940


Wanderkarte, Ausgabe Ausgabe 2017


Kapitell der ca. 2,70 m hohen Jakobussäule.

Sockel der Jakobussäule deren Ursprung im 18 Jh. liegt.

Während der wechselvollen Geschichte dieser Säule, trug sie einst die Figur des Apostels Jakobus des Älteren, des Beschützers der Pilger und Wanderer, also auch der Reisenden, die früher die Alte Prager Straße benutzten. Die Errichtung der Säule veranlasste wahrscheinlich ein begüterter Handelsmann, dem hier ein Überfall oder ein anderes Unglück gedroht hat.

Das Relief im Sockel zeigt einen sich erhebenden Hirsch, unter dem sich ein Mann mit einem hängendem Gewand und einem Birett befindet. Nach einer älteren Beschreibung hatte die Figur in der Hand ein gezogenes Schwert, das heute kaum mehr sichtbar ist (lt. Dr. F. Hantschel Nordböhmischer Touristenführer, B. Leipa 1907).


Bei meinem letzten Besuch beim Jakobi flogen einige Blutzikaden (Cercopis vulnerata) in den dortigen Farnen emsig hin und her, wovon ich einmal drei Aufnahmen hier mit einfüge.



Nun wurde in unmittelbarer Nachbarschaft zum Bildstock "Bein Jakobi", in südlicher Richtung an einer Weggabelung im Juli 2016 eine neue Dreiherrensäule (Třípanský sloup) aufgestellt, in Erinnerung an eine Säule mit historischen Hintergrund.


Ein Rastplatz an der neuen Dreiherrensäule, an dem sich eine Pause empfiehlt.


Die Dreiherrensäule, mit der Sichtfläche "Kamnitzer Herrschaft", mit stilisiertem Wappen derer von Kinsky, denen Kamnitz i.B. ab 1614 gehörte.


Das Wappen derer von Kinsky.

  
Die Dreiherrensäule, mit der Sichtfläche "Herrschaft Reichstadt", mit stilisiertem Wappen derer von Sachsen-Lauenburg, denen ab 1632 Reichstadt gehörte.


Das Wappen derer von Sachsen-Lauenburg.


Die Dreiherrensäule mit der Sichtfläche "Rumburger Herrschaft", mit stilisiertem Wappen derer zu Lichtenstein, denen ab 1681 die Grundherrschaft Rumburg gehörte.


Wappen derer zu Liechtenstein

Historisch belegt ist, dass an dieser Weggabelung drei Herrschaftsbereiche zusammenstießen und man wegen der häufigen Grenzstreitigkeiten eine Grenzsäule errichtete, die an der Spitze die farbig dargestellten Wappen der drei Herrschaften trug. Es waren die Herrschaften Kamnitz (Kamenice), Reichstadt (Zákupy) und Tollenstein (Tolštejn) später Rumburg (Rumburk). Diese sehr attraktive dreieckige Säule mit gewölbten Kanten und konkaven Seitenwänden wurde aus dem Quarzit der Steinbrüche der Burgruine Mühlstein angefertigt und soll im Jahre 1705 aufgestellt worden sein.

Im Herbst 1999 wurde diese historische Säule leider gestohlen. Umso mehr ist das Engagement von Vereinen und Einzelpersonen zu würdigen, die es möglich gemacht haben, eine neue Säule auf dem alten Fundament zu errichten.


Ausschnitt aus einer historischen Landkarte von 1739 mit dem Punkt NB (Standort der Dreiherrensäule.


Ausschnitt aus einer historischen Landkarte von 1739 mit der attraktiven Dreiherrensäule aus der Renaissancezeit.


Blindschleiche



Schon nach kurzer Zeit haben wir den markanten Felsen, den Hirschenstein auf dem Bergrücken erreicht, der mit einer Höhe von 676 m in der Wanderkarte ausgewiesen ist.


Wer schwindelfrei ist, und ein bisschen Kraxeln mag, der kann auch die höchste Stelle dieses Felsens erklimmen. Man kann am Felsen vorbei gehen und von hinten relativ einfach den Aufstieg probieren. Bei guten Sichtverhältnissen hat man von dort oben einen herrlichen Blick in die weitere Umgebung, wie nachfolgende Bilder zeigen.


Hier ein wunderschöner Blick zum nahen Tollenstein.


Beim Blick in südwestliche Richtung kann man hinten links Steinschönau (Kamenický Šenov) erahnen und rechts den dominierenden Schönauer Berg (Šenovský vrch) mit 632 m Höhe, davor ganz rechts sieht man den Schäferberg (Ovčácký vrch) mit 623 m Höhe.

Im Vordergrund in der Mitte liegt der kleine malerische Ort Kittlitz (Kytlice).


Hier geht der Blick vorbei am Tollenstein zum 583 m hohen Kottmar. Rechts vom Tollenstein am Horizont kann man den Ort Kottmarsdorf erahnen. Die Windkraftanlagen in der Mitte des Bildes befinden sich bei Leutersdorf auf dem Wacheberg unweit der "Karasek-Schenke".


Solange es die Wuchshöhe der Bäume zulässt kann man vom Hirschenstein aus den 774 m hohen Tannenberg noch gemeinsam mit dem Tollenstein auf einem Foto festhalten.

Auf dem Rückweg konnte ich dann noch ein paar Schmetterlinge fotografieren.


Vier Baum-Weißlinge (Aporia crataegi) auf dem Forstweg bei der Nahrungsaufnahme.



Mit diesen Eindrücken möchte ich den Beitrag für diese Wanderung abschließen und hoffe dem interessierten Leser Anregung gegeben zu haben, diese Ausflugsziele aufzusuchen. Es bleibt neben dem kulturhistorischen Erlebnis in erster Linie ein eindrucksvolles Landschafts- und Naturerlebnis. Weitergehende Fragen werde ich nach Möglichkeit beantworten.

Viel Spaß und Freude beim Nachwandern dieser Tour! Werner Schorisch
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